Mémorial de la Shoah

logo-memorial-shoah

Meine Einsatzstelle ist das Mémorial de la Shoah, welches sich im Marais, dem jüdischen Zentrum von Paris befindet. Ich arbeite dort überwiegend im Centre de documentation juive contemporaine (CDJC). Es wurde 1943 durch den französisch-russischen Rabbiner und Industriellen Isaac Schneersohn im Untergrund gegründet, um Zeitdokumente zu sichern, die die Verfolgung und systematische Ermordung der Juden aus Frankreich bezeugen. Das CDJC bildet einen zentralen Anlaufpunkt für Wissenschaftler*innen und Forscher*innen, sowie für Familienangehörige der Deportierten und Überlebende der Shoah. Heute – unterteilt in Bibliothek, Fotothek und Archiv (bibliothèque, photothèque, archives) – ist es mit über einer Million archivierten Dokumenten eines den wichtigsten Dokumentationszentren zur Shoah weltweit.

Im Museumsbereich des Mémorials befinden sich drei kostenlos zugängliche Ausstellungen. Die permanente befasst sich mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Europa, schwerpunktmäßig im besetzten Frankreich und während des Vichy-Regimes 1940–1944. Es werden zahlreiche pädagogische Veranstaltungen, Führungen, Lesungen und Ateliers angeboten, die Besucher*innen die Thematik der Shoah näherbringen sollen. Neben der Betreuung von Schulklassen sind dabei auch Fortbildungen für Lehrkräfte und Seminare für angehende Polizisten ein wichtiger Bestandteil des Bildungsangebotes. Im Erdgeschoss bietet eine umfangreiche Bücherei historische Literatur und Filmmaterial an.

Zudem versteht sich das Mémorial als Gedenkstätte. Es werden regelmäßig commémoriations (Gedenkzeremonien) für die Deportierten der einzelnen convois (Konvois) abgehalten. In der Einrichtung befindet sich eine crypte (Krypta), die das Mémorial du Martyr juif inconnu (Denkmal an den unbekannten jüdischen Märtyrer) beherbergt. Auf dem Vorhof wurden Mauern mit den Namen der aus Frankreich Deportierten (Mur des Noms) sowie jenen der bislang anerkannten „Gerechten unter den Völkern“ (Mur des Justes) errichtet.

Pour aller plus loin (d.i. mehr zu dieser bedeutsamen Institution) : http://www.memorialdelashoah.org/

Für Verzweifelnde gibt es eine englische Version der Seite, für deren Erscheinen ein Klick in der linken Hälfte der Kopfleiste genügt.

Advertisements

ASF – Geh denken!*

Bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der 1958 von der evangelischen Kirche ins Leben gerufen wurde. Trotz seiner christlichen Wurzeln steht ASF allen Religionen und Weltanschauungen offen. Das Ziel des Vereins ist historisch bedingt und betrifft den verantwortungsbewussten Umgang mit der NS-Vergangenheit. ASF setzt sich für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts ein und kämpft aktiv gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft.

Ein zentraler Bestandteil der internationalen Öffentlichkeitsarbeit von ASF sind einjährige Friedensdienste. Der Gründungsaufruf des Vereins verdeutlicht dessen Handlungsabsichten: „[Wir] bitten […] die Völker, die Gewalt von uns erlitten haben, dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und mit unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun“. Mit dem Ziel der wohlwollenden Unterstützung entsendet ASF jährlich etwa 180 Freiwillige in insgesamt 13 Länder, die im Zeitalter des Zweiten Weltkriegs besonders unter Deutschland gelitten haben. Dazu zählen Belgien, Polen, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Belarus, Russland, die Ukraine, die Tschechische Republik, Israel, die Niederlande und die USA. Jungen Menschen aus dem Ausland stehen Dienste innerhalb der deutschen Grenzen, vornehmlich an Gedenkorten, offen. Friedensdienste werden im sozialen Bereich (Arbeit mit älteren Menschen, sozial Benachteiligten, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen) sowie in der politischen und historischen Bildung (Menschenrechtsorganisationen, Antidiskriminierungsbüros, Gedenkstätten, Museen, Archive) angeboten.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit, an Kurzzeitfreiwilligendiensten (sogenannten Sommerlagern) teilzunehmen, im Rahmen welcher sich oft internationale Gruppen einem konkreten Projekt widmen, beispielsweise Renovierungsarbeiten in Gedenkstätten und auf Friedhöfen, Mitarbeit in jüdischen Gemeinden etc. Mit dem Ziel einer friedvollen Gesellschaft setzt ASF Zeichen für multikulturelle Solidarität und gegen das Vergessen. Es wird ein lebendiger, zukunftsgerichteter Austausch zwischen Nationen und Völkern erhalten.

Neben den oben erwähnten Arbeitsfeldern organisiert ASF diverse Veranstaltungen, die Aufklärung und Kommunikation bezwecken und interkulturelle Begegnungen hervorrufen. Der Verein engagiert sich in den Themenbereichen Rassismus und Gewaltprävention. ASF ist in diesem Sinne keine Freiwilligenorganisation, sondern primär eine Friedensorganisation, die für eine Welt im friedlichen Dialog plädiert.

*Für das Erkennen des Wortspiels im ASF-Slogan (Gedenken/ Geh denken) habe ich übrigens ein paar Monate in Anspruch genommen.

Aller Anfang ist schwer

Schon Jahre vor meiner Bewerbung stand innerlich fest, dass mir die Vorstellung, mich nach dem Abitur sogleich wieder in Hörsäle überfüllter Universitäten zu schleppen, sichtlich widerstrebte. In der Welt hatte ich mittlerweile viel zu viel erlebt und gesehen, das mir überhaupt nicht gefiel. Negative Eindrücke konnte ich noch nie verdrängen. Sie nagten stets an mir und schufen ein Bedürfnis nach Aktivität. Was meine Zukunftsgedanken während der letzten Schuljahre betraf, so kam schließlich Fernweh dazu – oder positiver ausgedrückt: Der Wunsch nach Unbekanntem, Aufregendem, nach Herausforderung und Sinn. Die Lust auf Neues, sowie die Bereitschaft dafür, es anzunehmen.

Meine Aufbruchsstimmung erhielt einen Dämpfer, als ich feststellte, dass das perfekte Freiwilligen-Programm leider nicht geduldig vor der Haustür wartet. Tatsächlich war ich alles andere als faul und recherchierte stundenlang nach Organisationen und Projekten. Jedoch trieb mich die grenzenlose Auswahl dabei schier in den Wahnsinn. Je nach Gemütsverfassung wollte ich des Öfteren ganz weit weg, am besten nach Lateinamerika oder gar Brasilien, was besonders spektakulär klang. Lange Zeit liebäugelte ich mit Italien und der Aussicht, diese „bellissima lingua“ endlich richtig zu erlernen.

Nicht zuletzt der Rat einer guten Freundin, die das vergangene Jahr mit ASF verbracht hat, befreite mich aus meiner Orientierungslosigkeit. Ich entschied mich für eine Bewerbung bei jenem Verein, der neben sozialen Einsatzstellen auch Projekte im historischen und politischen Bildungsbereich anbot. Jene Einzigartigkeit, resultierend aus einem wohlbegründeten Motiv für die Arbeit, schien mir in Bezug auf einen Freiwilligendienst spannender, als jedes noch so exotische Land.

Mit Sorgfalt stellte ich in den kommenden Wochen meine Unterlagen zusammen. Dazu gehörten ein ausformulierter Lebenslauf, drei Referenzen, die mir zwei wunderbare Lehrer und meine mich fortan unterstützende Freundin schrieben und die Beantwortung von sechs Fragen zu Motivationen, Engagement, Wünschen und Vorstellungen. Die Anforderungen hatten mich zuvor abgeschreckt. Nach etwas Überwindung merkte ich jedoch bald, wie ich begann, mich intensiv mit meiner Persönlichkeit, meiner Entwicklung, meiner Geschichte und meinem Umfeld auseinanderzusetzen. So begriff ich Stück für Stück, warum und wie ich den möglicherweise anstehenden Friedensdienst absolvieren wollte. Meine Entschlossenheit wuchs. Heute bin ich sehr dankbar für diese Selbstreflexion, die ASF im frühen Bewerbungsstadium von mir forderte.