Welcome to Werftpfuhl! – Ein erstes Kennenlernen

Ende Januar, knapp drei Monate nach Einreichung der Bewerbung, begab ich mich für ein sogenanntes Informations- und Auswahlseminar in die eindrucksvolle Metropole Werftpfuhl bei Berlin, wo es außer einer schneebedeckten Jugendbegegnungsstätte und einer verlassenen Bushaltestelle an der einzigen Straße rein gar nichts gab. Bereits die Anreise war dementsprechend recht umständlich, doch sie sollte sich lohnen.

Ich besuchte das zweite von vier Seminaren, das von Montag bis Donnerstag stattfand und mit knapp 60 Bewerber*innen eher klein war. Das Programm erwies sich als sehr strukturiert und zielführend. Neben kürzeren Kennlernrunden und Vorträgen, die im Plenum abgehalten wurden, spielten die Kleingruppen eine zentrale Rolle, in denen wir jeweils von zwei Teamer*innen betreut wurden. Dort tauschten wir uns über unseren Weg zu ASF, prägende Ereignisse und Meinungen zum geschichtlichen Hintergrund der Organisation aus. Wir schauten uns einen Dokumentarfilm zum Umgang der nachfolgenden Generationen mit den NS-Verbrechen an und führten anschließend stille sowie laute Diskussionen dazu durch. Mir gefielen diese Einheiten sehr, denn man war völlig frei in Art und Inhalt seiner Äußerungen und spürte, dass die Bewerber*innen ein ausgeprägtes Interesse an Geschichte und Zukunftspolitik verband.

Persönlich spürte ich nahezu keinen Konkurrenzdruck und empfand die Atmosphäre als äußerst angenehm. Wir, die Bewerber*innen, wohnten in Vierbettzimmern zusammen und ermutigten einander. An einem Tag fanden Einzelgespräche von 45 Minuten statt, in denen es vielmehr um ein gegenseitiges Kennenlernen, als um ein Aus- oder gar Abfragen ging. Der Verein stellte sich, seine Wurzeln sowie die von ihm angebotenen Projektländer und -bereiche vor. Wir erhielten viel Zeit zum Lesen von Erfahrungsberichten, konnten uns aber bei Bedarf problemlos zurückziehen.

Wenn ich auch am Ende große Schwierigkeiten damit hatte, den relativ offen gestalteten Wunschzettel gewissenhaft auszufüllen, so war es mittels des Seminars doch auf jeden Fall gelungen, mich in meiner Entscheidung zu bestärken und ein aussagekräftiges Bild von der eventuell bevorstehenden Zusammenarbeit zu bekommen. Als wir zum Abschied gemeinsam einen Kanon sangen, wusste ich, dass ich unbedingt wiederkehren wollte.

Und siehe da, eine Woche später schenkte ASF mir die direkte Zusage: Eine ungeheure Erleichterung für mich als Schülerin im finalen Turbo-Semester vor den Abiturklausuren. Die Benachrichtigung zur Einsatzstelle erhielt ich Anfang März. Ab dann war klar: Es geht nach Paris! La France sollte nach dem ernüchternden Austausch in der neunten Klasse folglich eine zweite Chance erhalten.

In Krisensituationen, die sich zu der Zeit häuften, sorgte der Gedanke an einen nahenden, bunten Lebensabschnitt für Lichtblicke. Endlich besaß ich einen Plan, und zwar einen, von dem ich selbst absolut überzeugt war. So freute ich mich jedes Mal, wenn ich die irritierte Frage aufschnappte: Ein Friedensdienst? Was ist das überhaupt?

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Autor: somebodyfaraway

Hello everyone! I am Linnéa from Germany. To keep it short and simple (which is usually not a quality of mine), I am passionate about languages and traveling, in love with theater and dancing, interested in history, politics and environmental issues. My first blog is about a voluntary service in Paris/France. Thanks to the association Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Action Reconciliation Service for Peace/ Action Signe de Réconciliation Services pour la paix), I will spend one year abroad, supporting historical education with regard to the Holocaust while promoting peaceful international communication and cooperation. I am very grateful for the possibility of sharing my experiences! Please let me know if you wish to receive translations of my blog posts and don't hesitate to ask any questions. :-)

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