Aller Anfang ist schwer

Schon Jahre vor meiner Bewerbung war ich sicher gewesen, dass mir die Vorstellung, mich nach dem Abitur sogleich wieder in Hörsäle überfüllter Universitäten zu schleppen, sichtlich widerstrebte. In der Welt hatte ich mittlerweile viel zu viel erlebt und gesehen, das mir überhaupt nicht gefiel. Negative Eindrücke konnte ich noch nie verdrängen. Sie nagten stets an mir und schufen ein Bedürfnis nach Aktivität. Was meine Zukunftsgedanken während der letzten Schuljahre betraf, so kam schließlich Fernweh dazu – oder positiver ausgedrückt: Der Wunsch nach Unbekanntem, Aufregendem, nach Herausforderung und Sinn. Die Lust auf Neues, sowie die Bereitschaft dafür, es anzunehmen.

Meine Aufbruchsstimmung erhielt einen Dämpfer, als ich feststellte, dass das perfekte Freiwilligen-Programm leider nicht geduldig vor der Haustür wartet. Tatsächlich war ich alles andere als faul und recherchierte stundenlang nach Organisationen und Projekten. Jedoch trieb mich die grenzenlose Auswahl dabei schier in den Wahnsinn. Je nach Gemütsverfassung wollte ich des Öfteren ganz weit weg, am besten nach Lateinamerika oder gar Brasilien, was besonders spektakulär klang. Lange Zeit liebäugelte ich mit Italien und der Aussicht, diese „bellissima lingua“ endlich richtig zu erlernen.

Nicht zuletzt der Rat einer guten Freundin, die das vergangene Jahr mit ASF verbracht hat, befreite mich aus meiner Orientierungslosigkeit. Ich entschied mich für eine Bewerbung bei jenem Verein, der neben sozialen Einsatzstellen auch Projekte im historischen und politischen Bildungsbereich anbot. Jene Einzigartigkeit, resultierend aus einem wohlbegründeten Motiv für die Arbeit, schien mir in Bezug auf einen Freiwilligendienst spannender als jedes noch so exotische Land.

Mit Sorgfalt stellte ich in den kommenden Wochen meine Unterlagen zusammen. Dazu gehörten ein ausformulierter Lebenslauf, drei Referenzen, die mir zwei wunderbare Lehrer und meine mich fortan unterstützende Freundin schrieben und die Beantwortung von sechs Fragen zu Motivationen, Engagement, Wünschen und Vorstellungen. Die Anforderungen hatten mich zuvor abgeschreckt. Nach etwas Überwindung merkte ich jedoch bald, wie ich begann, mich intensiv mit meiner Persönlichkeit, meiner Entwicklung, meiner Geschichte und meinem Umfeld auseinanderzusetzen. So begriff ich Stück für Stück, warum und wie ich den möglicherweise anstehenden Friedensdienst absolvieren wollte. Meine Entschlossenheit wuchs. Heute bin ich sehr dankbar für diese Selbstreflexion, die ASF im frühen Bewerbungsstadium von mir forderte.

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Autor: somebodyfaraway

Hello everyone! I am Linnéa from Germany. To keep it short and simple (which is usually not a quality of mine), I am passionate about languages and traveling, in love with theater and dancing, interested in history, politics and environmental issues. My first blog is about a voluntary service in Paris/France. Thanks to the association Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Action Reconciliation Service for Peace/ Action Signe de Réconciliation Services pour la paix), I will spend one year abroad, supporting historical education with regard to the Holocaust while promoting peaceful international communication and cooperation. I am very grateful for the possibility of sharing my experiences! Please let me know if you wish to receive translations of my blog posts and don't hesitate to ask any questions. :-)

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